Inhaltsangabe Hildegard von Bingen

Bickesheimer Klosterfestspiele

Hildegard von Bingen
Singspiel über die heilkundige Sybille vom Rhein von Dieter Baldo
Musik von Hildegard von Bingen und Tom H. Weber
(UA 16. Juni 2012 im Rahmen der „Bickesheimer Klosterfestspiele“)


Die Glocken läuten. Die Nonnen vom Kloster Rupertsberg tragen ihre sterbende Äbtissin Hildegard auf einer Bahre zu den betenden und trauernden Menschen. Hildegard ist für sie eine Heilige, eine Prophetin. Im Wissen um ihren bevorstehenden Tod tröstet sie die Menschen: Wenn ich meinen Körper verlassen habe, wird meine Seele bei euch sein. In dieser Nacht glaubt Hildegard, einen wunderbaren Gesang zu hören. Im hellen Licht nähert sich ihr der Engel Immanuel, der Hildegard die Bilder ihres Lebens zeigt. Noch einmal begegnet sie den Menschen, mit denen sie gelebt und gelitten hat.

In dieser Lebensschau begegnet Hildegard auch sich selbst, in Gestalt eines kleinen Mädchens, das mit den Sternen und den Blumen spricht. Hildegard erlebt, den Eintritt ins Kloster Disibodenburg, eingemauert in einen dunklen Raum und eingemauert in benedikinische Regeln. Dort lernt sie ihre neue Mutter, Jutta von Sponheim, kennen, sowie den Mönch Volmar, ihr Wegbegleiter, dem sie sich, kurz bevor sie in einer feierlichen Zeremonie den Schleier nimmt, anvertraut:
Das lebendige Licht erfüllt mein ganzes Wesen. In diesem Licht schwebe und tanze ich wie eine kleine Daune auf dem Atem Gottes.

Durch den Tod Juttas von Sponheim wird Hildegard zur Äbtissin ernannt. Im 42. Lebensjahr folgt sie dem göttlichen Licht, das ihr befiehlt: Schreibe, was du siehst und hörst; verkünde dieses Wunder; denn ich bin das lebendige Licht, welches das Dunkel erhellt. Und Hildegard schreibt auf, was Gott ihr diktiert. Mit Hilfe ihres Sekretärs Mönch Volmar und der Nonne Richardis von Stade entstehen viele Schriften und Lieder. Die großen weltlichen Herrscher der Welt wie König Konrad III. und Kaiser Friedrich I. Barbarossa suchen Hildegards Nähe und Rat. Papst Eugen III. erkennt auf der Synode von Trier öffentlich ihre Sehergabe an. Auf eine göttliche Eingebung hin fasst Hildegard den Plan einer Klostergründung auf dem Rupertsberg bei Bingen. Dagegen protestieren Abt Kuno und die Mönche. Das Kloster Rupertsberg wird zum Zentrum aller Kranken, Hilfe- und Ratsuchenden des ganzen Rheingaus. So heilt sie, wenn man Berichten aus der Zeit Glauben schenken darf, unheilbar Kranke und auch die besessene Sigewize.

Als letzte Station ihres kampferprobten Lebens wird das Kloster Rupertsberg von den Mainzer Domherren mit dem Kirchenbann belegt. Dies wurde begründet, weil Hildegard einem stadtbekannten Sünder die letzte Ruhe in geweihter Erde gewährte. Für über ein Jahr gab es keinen Gottesdienst, keinen Gesang und kein Glockengeläut im Kloster. Selbst der Empfang der Heiligen Kommunion wurde den Nonnen verboten. Der erbitterte Streit um einen Toten fand sein Ende erst, nachdem die kranke Hildegard mit dem Pferd nach Mainz geritten war. Dort wurde sie von der Bevölkerung jubelnd empfangen.

Bevor der Engel Immanuel die Lebensschau beendet, will Hildegard noch ein letztes Mal Richardis von Stade begegnen, die ihrem Herzen am nächsten stand. Dann verlässt die 82jährige Hildegard mit der kleinen Hildegard die Bühne des Lebens, nachdem sie gemeinsam das Sternenlied gesungen haben.
Wir Sterne sind wie Blumen, Blütensterne hoch am Himmel.
Spitzt nur Eure Ohren, Menschen.
Hört nur in die Stille, Menschen.
Denn dann könnt ihr hören, Menschen -
Die Sterne reden hören in Euren Herzen.

Das Stück folgt im Wesentlichen den überlieferten Lebensstationen Hildegards von Bingen, wobei die Abfolge der Szenen mit dem Lebenspanorama der Nahtod-Erlebnisse korrespondiert: Das bisherige Leben wird durch den Engel Immanuel als „Spielleiter“ nochmals erlebt, mit vielen längst vergessen geglaubten Details, Gedanken und Gefühlen.

Das Stück vereint alte und neue Musik: gregorianische, einstimmige Lied-Kompositionen Hildegards von Bingen & Gesänge, Duette sowie Trios, komponiert von Thomas Weber. Dabei werden Texte & Gesänge Hildegards verarbeitet.